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II,6
Vom seligen Altern und Sterben
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Septimi, Gadis aditure mecum et Cantabrum indoctum iuga ferre nostra et barbaras Syrtis, ubi Maura semper aestuat unda,
Tibur Argeo positum colono sit meae sedes utinam senectae, sit modus/domus lasso maris et viarum militiaeque. |
Cantaber, bri, m.: der Kantabrer, C. bellicosus od. indoctus inga ferre nostra, Hor.; Syrtis, is u. idos, Akk. im, Abl. e u. i, f.: die Syrte, Sandbank im Meere, bes. an der afrikan. Küste; aestuare: v. der Wasserflut, wallen u. branden, schäumend wogen; lassus auch mit Genitiv |
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Septimius, bereit mit mir nach Gades zu gehen und zu dem Kantabrer, unbelehrbar unser Joch zu tragen, und zu den wilden Syrten, wo die maurische Woge brandet;
Möchte doch Tibur, von einem argivischen Bauern gegründet, der Sitz meines Alters sein, ein Heim für den vom Meer, den Wegen und dem Militärdienst Ermatteten.
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Unde si Parcae prohibent iniquae, dulce pellitis ovibus Galaesi flumen et regnata petam Laconi rura Phalantho. |
pellitus, a, um (pellis): mit einem Felle bedeckt; Galaesus (Galesus), i, m., ein Fluß in Unteritalien; Laco (Lacon), onis, m.: der Lakonier, Lazedämonier, |
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Wenn von dort die Parzen ungnädig mich abhalten, möchte ich das für die eingehüllten Schafe (um die Wolle zu schonen) angenehme Gewässer des Galaesus und das vom Lakedämonier Phalantus (Phalantho: Dativ statt a mit Abl. s. Menge 64) beherrschte Land aufsuchen.
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Ille terrarum mihi praeter omnis angulus ridet, ubi non Hymetto mella decedunt viridique certat baca Venafro,
ver ubi longum tepidasque praebet Iuppiter brumas et amicus Aulon fertili Baccho minimum Falernis invidet uvis. |
angulus, i, m.: die Ecke, der Winkel; Hymettos u. Hymettus, i, m.: Berg in Attika, reich an Bienenkräutern; certare: poet., certare alci, mit jmd.; baca: Beere, Olive; Venafrum: Stadt in Kampanien; Aulon, onis, m., ein vorzügliches Weingelände in der Nähe von Tarent; Adv. minimum = sehr kurze Zeit, sehr wenig, sehr selten, |
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Jener Winkel lächelt mir vor allen der Erde zu, wo der Honig nicht dem Hymettus weicht und die Olive mit Venafrum im Wettstreit liegt,
wo Juppiter einen langen Frühling und milde Winter gewährt und das Aulongebiet, dem fruchtbringenden Bacchus lieb, nicht im Geringsten die Falernertrauben beneidet.
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Ille te mecum locus et beatae postulant arces; ibi tu calentem debita sparges lacrima favillam vatis amici. |
postulo, avi, atum, are (posco), etw. von jmd. verlangen, begehren, erwarten, arx, arcis, f.: ein von Natur od. durch Kunst fester, hoher Punkt, der eine Stadt, eine Gegend deckt od. beherrscht, eine feste Höhe, -Anhöhe, -Berghöhe, Feste, calere, eo: heiß sein, glühen |
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Jener Ort und die seligen Höhen erwarten dich mit mir; dort wirst du mit geschuldeter Träne die heiße Asche deines Dichterfreundes netzen.
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II,05 Geduld mit dem heranwachsenden Mädchen / II,07 Ausgelassene Freude bei des Freundes Rückke
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