Auf diesen Seiten möchte ich unter 'Autoren' und 'Sonstiges' Texte veröffentlichen, die mir in meinem Berufsleben als Deutsch- und Lateinlehrer wichtig waren. Unter 'Komponisten' können Sie vor allem Beschreibungen kammermusikalischer Werke finden. Als Vorsitzender des Kulturausschusses in Rösrath hatte ich 20 Jahre lang 250 Mal Rösrather 'Schlosskonzerte' organisiert; hinzu kamen in den letzten Jahren Konzerte in der ServiceResidenz Schloss Bensberg. Wichtig war mir dabei, die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf Besonderheiten der aufgeführten Werke zu richten. Anfangs kopierte ich zu diesem Zweck die Texte aus Reclams Kammermusikführer. Da mir manches zu 'poetisch', manches zu wissenschaftlich erschien, habe ich das Wissen, das ich diesem Musikführer und anderen Publikationen entnahm, in die für mein Publikum passende Sprache umgeformt, sozusagen als Laie für Laien und häufig auch, ohne dass mir die Noten vorlagen. Möglicherweise könnten diese Texte auch in Programmhefte anderer Konzertreihen übernommen werden - mit entsprechenden Änderungen. Freuen würde ich mich besonders, wenn sie dem einen oder anderen Musikliebhaber den Zugang zu den Werken der Kammermusik ein wenig erleichterten. Unter ‚Komponisten’ und ‚Autoren’ finden Sie auch einige Texte, die ich als Ankündigung von Aufführungen in Bergisch Gladbach geschrieben habe.
Das nächste Konzert in der ServiceResidenz Schloss Bensberg:
Matinéen – Klangvolle Sonntage Sonntag, den 12. Februar 2012, 11.00 Uhr
Oren Shevlin (Violoncello) James Maddox (Klavier)
Franz Schubert Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll D 821 (Arpeggione-Sonate)
Claude Debussy Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll
Robert Schumann Fünf Stücke im Volkston op. 102
Johannes Brahms Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 99
Schuberts ‚Arpeggione-Sonate‘ ist benannt nach einem 1823 von J. G. Staufer, einem Wiener Instrumentenbauer und Freund Schuberts, erfundenen, ‚Arpeggione‘ genannten, sechsseitigen Streichinstrument. Dieses Instrument wurde schnell vergessen und ist nur noch durch die Sonate bekannt, die Schubert für dieses Instrument schrieb - im November 1824, dem Jahr des Oktetts und des Rosamunde-Quartetts, dem die Sonate mit ihrem freundlich-lyrischen Grundton verwandt ist. Da diese in der Reifezeit Schuberts entstandene Sonate so reich ist an schönen Melodien und eine solch heiter-gelöste Stimmung wiedergibt, wird sie heute gerne von Bratschern oder Cellisten gespielt. Der liebenswürdige Reichtum der Sonate an ergreifend-innigen, freundlichen und scherzhaft-munteren Klängen ist auch ein Ergebnis der glücklichen Erfahrung Schuberts, in einem Freundeskreis aufgehoben zu sein, bei dessen Zusammenkünften, den 'Schubertiaden', der Komponist, der anderswo auf taube Ohren stieß, eine aufnahmebereite Zuhörerschaft fand. Freilich ist auch ein Hauch des wehmütig-schmerzlichen Tons der ‚Winterreise‘ zu hören.
Claude Debussy plante 1915 nach Überwindung einer schweren Schaffenskrise einen Zyklus von sechs Sonaten für verschiedene Instrumente, von denen er nur drei vollenden konnte, darunter die für Violoncello und Klavier, eine Sonate von großem Reichtum an schönsten Ideen, von virtuoser Klangentfaltung und feinster Melodik in den Ecksätzen, von skurrilem Humor und von Melancholie im Mittelsatz. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte bei Debussy zu einer verbitterten Ablehnung alles Deutschen. Darum wertete er im Namen des französischen Geistes die Musik eines Rameau und Couperin in ungewöhnlicher Weise auf: sie waren nun seine großen Meister und Vorbilder. Dennoch blieb das Besondere des Debussyischen Stils, beispielsweise die Harmonik und das Rhapsodische, erhalten.
Schumanns ‚Fünf Stücke im Volkston‘ weisen mit ihrer dichten Motivarbeit, ihrer teilweise subtilen Rhythmik und Harmonik eher auf das 20. Jahrhundert hin als ins Biedermeier; denn die Zeit, in der Schumann eine Reihe von kleineren Werken für Klavier und ein Blas- bzw. Streichinstrument schuf (ab 1849), war auch die Zeit seiner Erfahrungen mit Bachs ‚Kunst der Fuge‘ und Beethovens späten Streichquartetten, Werke, die ja auch ins 20. Jahrhundert verweisen. So fiel der große Unangepasste aus seiner Zeit, auch dadurch, dass er sich mit diesen kleinen Werken gegen die um die Jahrhundertmitte beginnende Modeströmung wandte, als man das Großartige, Voluminöse liebte (Große Oper, Große Sinfonik, riesige Orchester und Chöre). Schumann setzte Verinnerlichung gegen pompöses Virtuosentum. Clara Schumann war „entzückt“ von diesen Stücken im Volkston und pries deren „Frische und Originalität“.
Brahms hat zwei Cellosonaten geschrieben, die erste (op. 38) 1865, die zweite, op. 99, im Jahr 1886, also in der Reifezeit des Komponisten. Es ist auch das Jahr der Violinsonate op. 100 und die des Klaviertrios op. 101. Alle drei Werke entstanden in Brahms‘ Feriendomizil am Thuner See. Der Vergleich zwischen Cellosonate und Violinsonate zeigt Unterschiede, wie sie kaum größer sein können: Die Sonate für Violine ist idyllisch wie die Landschaft, in der sie entstand, die für das Cello dagegen voller Expressivität und Leidenschaft, voll düsterer Schwere und tiefem Schmerz: ‚affettuoso’ und ‚passionato’ heißt es in den Satzbezeichnungen. Der emotionale Höhepunkt dieser Sonate ist das ‚Adagio affettuoso‘, ein ergreifender, tief anrührender Satz. Aufhellung bringt der Vierte Satz mit seinem leichten, freundlichen Rondo-Thema.
Oren Shevlin (Violoncello) wurde 1969 in Oldham/England geboren. Er war Schüler von Prof. Raphael Sommer, Boris Pergamenschikow und Frans Helmerson und hat an Meisterkursen von Paul Tortelier, Janos Starker und Arto Noras teilgenommen. 1979 Auftritt in der Royal Albert Hall, London - 1992 Dritter Preis beim „ARD Duo Wettbewerb" in München - 1996 Zweiter Preis beim „Internationalen Paulo Cello Wettbewerb" in Helsinki. Als Solist tritt er regelmäßig auf, u. a. mit dem WDR Sinfonieorchester Köln, in dem er seit 1998 als Solocellist tätig ist. 2001 wurde ihm beim „Internationalen Rostropowitsch Wettbewerbs" in Paris der zweite Grand Prix zugesprochen. In der Saison 2005/2006 war er mit seinem Trio, das „Shevlin" Trio, und mit Pinchas Zukerman in Kammermusikaufführungen zu hören sein. Oren Shevlin ist Dozent an der Robert Schumann Musikhochschule in Düsseldorf.
James Maddox (Klavier) Der in Australien geborene Pianist James Maddox studierte in Sydney und in Verona (bei Alexander Lonquich und Edoardo Strabbioli). Als Kammermusikpartner und Liedbegleiter konzertiert er in Europa, Asien und Australien. Er arbeitete unter Dirigenten und Komponisten wie Michael Tilson Thomas, Christoph Eschenbach, Peter Eötvös und Krzysztof Penderecki. James Maddox ist seit 1995 Dozent an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und ist künstlerischer Leiter der Brahms-Tage in Bonn-Endenich.
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